Moderne Sklaverei: Menschenunwürdige Arbeitsbedingungen in Fischerei und Landwirtschaft

Dass die Ausbeutung von Arbeitskräften in Bereichen der Land- und Forstwirtschaft und der Fischerei laut eines Bericht der EU am höchsten ist,1 belegen jüngste Beispiele:
Am Montag erhoben drei kalifornische Firmen Sammelklage gegen den US-amerikanischen Einzelhändler Costco und seine thailändischen Fischlieferanten:
Die Unternehmen führten an, Cosco kaufe und verkaufe Krabben an Firmen, wissentlich, dass diese das Futter von Fischerbooten bezögen, auf denen Menschen unter sklavenähnlichen Bedingung arbeiteten. Zu den kooperierenden Firmen gehört auch der weltweit größte, in Thailand ansässige Krabbenzüchter Charoen Pokphand (CP) Foods.
Die Sammelklage folgte einer Recherche des Guardian 2014, die offenlegte, dass Arbeitskräfte auf den Fischerbooten wie Tiere gekauft und verkauft wurden. Dabei erzählten Geflüchtete von 20-Stunden-Schichten, Schlägen und Morden auf den Fischerbooten.2
Sklaverei scheint somit ein wesentlicher Bestandteil in der thailändischen Produktion von Krabben zu sein, welche, später in führenden Supermärkten wie Tescos, Walmart, Carrefour und Costco ihren Weg zum Konsumenten finden.2

Derweil nehmen in Südeuropa Migranten besonders in der Landwirtschaft Arbeit unter prekären Bedingungen und zu Niedriglöhnen an, welche einheimische Arbeitssuchende ablehnen.3
Besonders spanischen Landwirte profitieren von den billigen Arbeitskräften ohne Folgekosten, die ihnen den Aufstieg zum Unternehmer ermöglichen.4
In der andalusischen Landwirtschaft arbeiten nahezu ausschließlich Migranten ohne Papiere. Sich morgens in einem Pick-up eines Produzenten abholen zu lassen und als Tagelöhner in den Treibhäusern für einen Hungerlöhnen arbeiten, ist für sie die einzige Chance Geld zu verdienen, ohne jegliche Aussicht auf eine bessere Zukunft oder soziale Absicherung.5
Von Formen moderner Sklaverei in der italienischen Landwirtschaft berichtet auch Gilles Reckinger, Professor für Ethnologie der Universität Innsbruck, der Flüchtlinge nach ihrer Ankunft in Lampedusa auf ihrer Suche nach Arbeit begleitete.6 Auch in Italien lebten und arbeiteten die Menschen unter menschenunwürdigen Bedingungen, wohnten in Unterkünften aus Karton und Plastik und verdienten nur 20 € am Tag.

Dem „Global Slavery Index“ zufolge lebten 2014 ca. 35.8 Millionen Menschen in Formen moderner Sklaverei, von denen sich ein großteil der Menschen in Asien befindet.7

Weitere Informationen zu menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen in der thailändischen Fischerei finden Sie unter: http://www.tdh.de/fileadmin/user_upload/inhalte/04_Was_wir_tun/Themen/Kinderarbeit/Shrimps-Studie/Studie_Kinderarbeit_in_der_Thai_Shrimp-Industrie.pdf


  1. TAZ: Lohnsklaverei ist normal, http://www.taz.de/!5202028/, 02.06.2012, abgerufen am 27.08.2015 []
  2. The Guardian: Costco and CP Foods face lawsuit over alleged slavery in prawn supply chain, http://www.theguardian.com/global-development/2015/aug/19/costco-cp-foods-lawsuit-alleged-slavery-prawn-supply-chain, 19.08.2015, abgerufen am 27.08.2015 [] []
  3. Bundeszentrale für politische Bildung: Tendenzen innereuropäischer Migration, http://www.bpb.de/apuz/172374/tendenzen-der-innereuropaeischen-migration?p=all, 11.11.2013, abgerufen am 27.08.2015 []
  4. DIE ZEIT: Einmal Drecksarbeit und zurück, http://www.zeit.de/politik/ausland/2015-06/spanien-migranten-arbeitskraft-landwirtschaft, 10.06.2015, abgerufen am 27.08.2015 []
  5. AK 595: Der Druck wächst in Almería, http://www.academia.edu/7451552/Der_Druck_wächst_in_Almería._Gewerkschaften_in_Andalusien_und_die_Rolle_der_ArbeitsmigrantInnen, 17.06.2015, abgerufen am 27.08.2015 []
  6. Universität Innsbruck: Das neue Gesicht der Sklaverei, http://www.uibk.ac.at/ipoint/news/2014/das-neue-gesicht-der-sklaverei.html.de, 10.06.2014, abgerufen am 27.08.2015 []
  7. The Global Slavery Index: Executive Summary 2014, http://d3mj66ag90b5fy.cloudfront.net/wp-content/uploads/2014/11/2014GSIexecutive-summary.pdf, abgerufen am 27.08.2015 []
Recent Related Posts

Kommentare sind geschlossen.