Klimabetrug – Wie der Handel mit Klimazertifikaten ad absurdum geführt wird

Gemäß einer in dem Wissenschaftsmagazin „Nature Climate Change“ veröffentlichten Studie wurden in Russland und der Ukraine Millionengewinne auf Kosten des Weltklimas erwirtschaftet.12 Ein Verfasser der Studie des Stockholm Environment Institutes (SEI), Lambert Schneider schätzt, dass bis zu 80% der russischen und ukrainischen Klimazertifikate aus solchen fragwürdigen Projekten stammen.3

Recherchen des westdeutschen Rundfunks (WDR) und der Süddeutschen Zeitung (SZ) ergaben, dass auf diese Weise unter anderem das russische Unternehmen HaloPolymer einen Profit von knapp 200 Million US-Dollar machte.1 HaloPolymer hatte zunächst absichtlich seine Treibhausgasemmissionen wesentlich erhöht und „produzierte“ somit mutwillig klimaschädliche Abfallprodukte durch Ineffizienz, um anschließend die Luftverschmutzung rapide senken zu können.12 Auf Grund dieser vermeintlichen extremen Effizienzsteigerungen konnten Umweltzertifikate an andere Industrieländer verkauft und diesen dadurch mehr Verschmutzung erlaubt werden, ohne dass tatsächlich eine Reduktion von klimaschädlichen Treibhausgasen in Russland erfolgte. Praktiken, die sich jedoch nur durchführen lassen, wenn staatlichen Instanzen bei der Vergabe von Projekten und der Kontrolle der Unternehmen wegschauen. So überrascht es wenig, dass Kritiker die Entscheidungen der mit der Vorauswahl der Abwicklung der Klimaprojekte betrauten halbstaatlichen Sberbank und des zuständigen Ministeriums für wirtschaftliche Entwicklung und Handel für zu intransparent halten.13

Nach Angaben des WDRs und der SZ wurden auch in der Ukraine unrechtmäßig Klimazertifikate produziert, da die Angaben zu der aus Abraumhalden geförderten Kohle bei weitem das realistische Maß einer möglichen Gewinnung aus den weitestgehend ausgeschöpften ehemaligen Lagerstädten übersteigen. Die Grundidee der Unterstützung dieses Rohstoffabbaus besteht darin, den Ausbruch von Bränden auf ehemaligen Förderstätten zu verhindern und die damit verbundene Gefahr einer zusätzlichen Freisetzung von klimaschädlichen Gasen auf Abraumhalden zu verringern, indem leicht entzündliche Kohlereste abgetragen werden. Dabei beläuft sich jedoch die Summe der angeblich aus solchen Abraumprojekten gewonnen Kohle auf eine völlig unrealistische Zahl, die einem Drittel der gesamten Kohleförderung der Ukraine entspricht.1 Dadurch wird offensichtlich, dass auch ukrainische Klimazertifikate den Markt überschwemmen, die tatsächlich keine klimaschonenden Maßnahmen zur Folge haben.

Eine effiziente Umsetzung des aus wirtschaftlicher Perspektive grundsätzlich sinnvollen Zertifikatehandels lässt sich somit langfristig nur noch retten, wenn verstärkt internationale Kontrollen durchgeführt und keine künstlich geschaffenen Zertifikate mehr auf den Markt gedrückt werden können. Dazu müssen die bisherigen Schlupflöcher des Kyoto-Abkommens bei einem möglichen Folgeabkommen auf der Klimakonferenz in Paris (COP21) Ende diesen Jahres unbedingt vermieden werden.


  1. Süddeutsche Zeitung: Gelddrucken im Treibhaus, 24.08.2015, http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/tricksen-beim-klimaschutz-gelddrucken-im-treibhaus-1.2619248, abgerufen am 25.08.2015 [] [] [] [] []
  2. Nature Climate Change: Perverse effects of carbon markets on HFC-23 and SF6 abatement projects in Russia, 24.08.2015, http://www.nature.com/nclimate/journal/vaop/ncurrent/full/nclimate2772.html, abgerufen am 25.08.2015 [] []
  3. Tagesschau: Klimaschädliche Profitgier, 24.08.2015, http://www.tagesschau.de/wirtschaft/klimazertifikate-russland-101.html, abgerufen am 25.08.2015 [] []
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