Woher kommt unser Gas? Russland-Krise lässt Fracking-Debatte neu aufleben

Die Russland-Krise hat erneut die Frage der deutschen Rohstoffsicherheit in den Mittelpunkt der politischen Debatte gerückt. Im Zuge dessen wird auch das seit 2012 auf Eis gelegte kontroverse Thema des Fracking wiederbelebt. Nachdem Deutschland zwei Jahre lang keine neuen Genehmigungen zur Erschließung von Abbaufeldern vergeben hat, führt die Sorge um die deutsche Gasversorgung zu erneuten Auseinandersetzungen zwischen Gegnern und Befürwortern der umstrittenen Fördermethode.

Während sich die Umweltminister der Länder vor einigen Tagen einhellig gegen eine Wideraufnahme des Projekts aussprachen (1), will das Berliner Wirtschaftsministerium der Industrie entgegenkommen und Fracking zulassen. Damit rückt die Bundesregierung klar von ihrer Aussage ab, dem Umweltschutz Vorrang vor wirtschaftlichen Interessen zu gewähren.

Die deutsche Wirtschaft und internationale Energiekonzerne unterstützen dieses Vorhaben, sie träumen von amerikanischen Verhältnissen, wo billiges, mit Fracking gewonnenes Erdgas zu einem industriellen Aufschwung und niedrigen Energiepreisen führte.  Doch schon heute sind die negativen Folgen der Abbaumethode deutlich sichtbar.

Eine Studie des Umweltbundesamtes, die im Moment noch in Arbeit ist, soll auf genau diese Gefahren hinweisen. Demnach sind die  erhöhten Risiken von Fracking nicht mit „herkömmlichen punktuellen Fördertechnologien“ vergleichbar. Die hohe Zahl an Bohrungen sowie der hohe Wasserverbrauch und die großen Mengen von giftigem Abwasser stellen demnach eine erhöhte Gefahr für die Umwelt dar. Bedenklich sei, dass es bei vielen Fragen dieser Abbaumethode eine „Wissensunsicherheit“ gebe (2).

Das Bundesministerium für Wirtschaft hält dagegen, durch den Mangel an klaren Kriterien  und Abgrenzungsmöglichkeiten müsse im Einzelfall „eine Abwägung bezüglich Umweltverträglichkeit und der Wirtschaftlichkeit“ getroffen werden (3).

Dieses Argument wird von Experten der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe entkräftet, und auch die Grünen befürchten, dass eine fehlende Definition zu schwer kontrollierbare Einzelentscheidungen bei den Genehmigungsbehörden führen könnte.

Kritiker warnen vor dem Versprechen, Schiefergas könnte Deutschland unabhängig von russischen Gaslieferungen machen. Dafür seien die deutschen Vorkommen viel zu gering. Die vermutete Menge ist gerade mal so groß, dass man damit zwölf Jahre lang den derzeitigen Gesamtbedarf des Landes decken könnte. Sicher ist auch, dass deutsches Schiefergas erheblich teurer sein wird als amerikanisches.

 

Lesen Sie hier, und hier weitere Beiträge von Facing Finance zum Thema Fracking in Deutschland. 

Lesen Sie hier mehr über Unternehmen die Fracking betreiben: Shell, Gazprom, Chevron.

 

(1) Stuttgarter Zeitung:Umweltministertreffen in Konstanz. Verfügbar unter: http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.umweltminister-treffen-in-konstanz-fracking-einstimmig-abgelehnt.dabecf22-6506-4d67-a2cb-323054c4013a.html. Zuletzt überprüft am 13.05.2014.

(2) Süddeutsche Zeitung: Mögliche Risiken von Racking-Bohren. Verfügbar unter: http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/moegliche-risiken-von-fracking-bohren-um-jeden-preis-1.1958468. Zuletzt überprüft am 13.05.2014. 

(3) BMWI: Gewinnung heimischer Rohstoffe. Verfügbar unter: http://www.bmwi.de/DE/Themen/Industrie/Rohstoffe-und-Ressourcen/gewinnung-heimischer-rohstoffe,did=591736.html. Zuletzt überprüft am 13.05.2014. 

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