Einfach abfackeln: Ölkonzerne verursachen massive Umweltzerstörung

Flaring a good amount of gas Bild: © Joshua Doubek [CC BY-SA 3.0] - Wikimedia Commons

Die Menschen in Nigeria werden tagtäglich mit den katastrophalen Folgen der Ölförderung konfrontiert. Sie leiden unter der Profitorientierung der Ölkonzerne, die sich rücksichtslos gegenüber der Natur und der heimischen Bevölkerung verhalten. Besonders deutlich zeigt sich das an der Praxis „Gas Flaring“. Dabei wird Erdgas verbrannt, und zwar Begleitgas, das während der Erdölbohrung neben dem Erdöl freigesetzt wird. In dieser Form ist es für die Konzerne meist nutzlos. Das Gas wird einfach abgefackelt. Eine billige Methode1  – mit fatalen Folgen für unsere Umwelt. Der Profit zählt wieder einmal mehr.2

In Nigeria brennen die Gasfackeln Tag und Nacht, oft in der unmittelbaren Umgebung von Dörfern. Die Menschen leiden enorm unter den Auswirkungen auf die Natur. Die Ernten fallen oft aus, denn die Rußwolken verbreiten eine drückende Hitze und verhindern, dass es regnet. Viele Pflanzen in den betroffenen Gebieten verdorren.3 Und wenn die Ernte einmal nicht ausfällt, ist sie mit Schwermetallen und sauerem Regen verseucht.4 Zudem enthält das Gas etliche gesundheitsschädliche Stoffe, die sich in der Luft verbreiten. Die Menschen atmen sie ein, Tag und Nacht. Viele erkranken davon, Atemwegserkrankungen und Krebs sind häufige Folgen. Viele Neugeborene kommen mit Missbildungen auf die Welt. Eine Frau aus dem Nigerdelta beschreibt die Lage der Bevölkerung: „Früher haben wir gefischt und konnten fast alles anbauen. Die Ernten waren gut. Aber seitdem Shell hier ist, sind wir krank, ich krieg kaum noch Luft und kann kaum noch sprechen.“3Ununterbrochen jagt der schwarze Ruß in die Atmosphäre und mit ihm unheimliche Mengen an Kohlendioxid. Gas Flaring trägt wesentlich zur Klimaerwärmung bei: Zwei Prozent der energiebedingten globalen Kohlendioxidemissionen sind dem Gas Flaring geschuldet.5 Weltweit werden durch das Gasabfackeln jährlich etwa 400 Millionen Tonnen Treibhausgase freigesetzt – das entspricht dem Ausstoß von etwa 500 Millionen Autos.6

Gas Flaring ist nicht nur eine Umweltbelastung, sondern zudem eine unglaubliche Verschwendung von Ressourcen. Dabei gäbe es verschiedene Möglichkeiten, das Begleitgas zu nutzen: Die Konzerne könnten das Gas in Lagerstätten zurückpressen (Reinjektion) es könnten Ausgangsstoffe für die chemische Industrie hergestellt oder das Begleitgas zu Flüssiggas verarbeitet werden. Das Gas könnte sogar in Energie umgewandelt werden: Allein die in Afrika verbrannten Gase könnten den gesamten Kontinent zur Hälfte mit Energie versorgen! In vielen Fällen sind allerdings hohe Investitionen nötig, sodass solche alternative Lösungen für die profitorientierten Konzerne unattraktiv werden.5

Dabei ist Gas Flaring in Nigeria eigentlich seit 1984 verboten. Doch die Ölmultis lassen sich davon nicht beirren und verbrennen weiterhin Unmengen an Gas. Bis heute werden die niedrigen Strafen lieber gezahlt, anstatt auf die – immer noch billigere – Abfackelmethode zu verzichten.1 Außerdem haben die Konzerne eine unheimlich mächtige Lobby in Nigeria, die es immer wieder schafft, die Frist für das endgültige Ende von Gas Flaring nach hinten zu verschieben. Nigeria ist abhängig von den Ölkonzernen, 80 % der Staatseinnahmen lassen sich auf die Ölförderung zurückführen. Davon abgesehen handelt der nigerianische Staat wohl auch im Eigeninteresse, denn er ist nicht unwesentlich am Konzern Shell Nigeria beteiligt: 55 % der Einnahmen gehen an die Regierung in Abuja. Im Gegenzug schützt das Militär sogar die Ölfördergebiete.7

Eine vor kurzem ausgestrahlte Arte-Dokumentation richtet sich vor allem gegen die Ölriesen Shell, Total, BP, Agip und Rosneft.8 Nicht nur in Nigeria, sondern in vielen Ländern, in denen Staat nicht entschlossen genug eingreift, werden Begleitgase abgefackelt. Einer Studie der Weltbank zufolge werden in jedem Jahr etwa 150 Milliarden Kubikmeter Begleitgas weltweit abgefackelt. Nigeria rangiert lediglich auf dem zweiten Platz. Der Weltmeister im Abfackeln ist Russland.5

Dass eine umweltfreundlichere und dennoch profitable Lösung möglich ist, beweist ein Ölkonzern in Ecuador. Dieser Konzern wurde verstaatlicht und das Begleitgas fortan zur Energiegewinnung genutzt.8  Doch das ist nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Denn solange weltweit agierende Konzerne wie Shell, Agip und Total und andere ihre Unternehmenspolitik nicht ändern und keine weltweiten Standards festlegen, bleibt die Katastrophe bestehen – in Form von Tag und Nacht brennenden Gasfackeln.

 

Foto: Joshua Doubek


  1. http://justiceinnigerianow.org/gas-flaring [] []
  2. http://www.spiegel.de/wirtschaft/erdgas-verschwendung-profitdenken-schlaegt-umweltschutz-a-504278.html []
  3. http://www.youtube.com/watch?v=kDCwMEQw9Vc [] []
  4. http://www.3sat.de/programm/?showid=CBA0E3CCB9DD2E8A []
  5. http://www.bundestag.de/dokumente/analysen/2012/Abfackeln_und_Ablassen_von_Begleitgasen.pdf [] [] []
  6. http://www.taz.de/!73387/ []
  7. http://www.youtube.com/watch?v=kDCwMEQw9Vc []
  8. http://www.youtube.com/watch?v=kDCwMEQw9Vc [] []
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