Veranstaltungshighlights: Roboter am Abzug: Sind Soldaten ersetzbar?

Podiumsdiskussion ausgerichtet von der Katholischen Akademie Berlin und dem Zentrum für Ethische Bildung in den Streitkräften (zebis)

(Berlin, 4. September 2013) – Am Mittwochabend fand im Tagungssaal der Katholischen Akademie zu einer dynamischen akademischen Diskussion zum Thema autonomer Tötungsroboter (Lethal Autonomous Robot (LAR)). Die Vor- und Nachteile der Entwicklung und des Einsatz solcher Maschinen wurden unter militärischen, technischen, ethisch-moralischen und rechtlichen Gesichtspunkten betrachtet. Die Diskussion zog dabei Vertreter aus verschiedenen Bereichen, wie etwa Akademiker, Journalisten, Militärangehörige und zivilgesellschaftliche Akteure an. Für die Diskussion konnten vier prominente Vertreter der globalen Debatte gewonnen werden: Prof. Ronald C. Arkin, Professor für Robotik und Roboterethik des Georgia Institute of Technology; Stephen Goose, Direktor von Human Rights Watch und Mitbegründer und der mit dem Nobelpreis gekürten Internationalen Kampagne zum Verbot von Landminen;  Dr. David Rodin, Militärethicker und Direktor des Oxford Centre for Ethics and Laws of Armed Conflict (ELAC); sowie Oberleutnant i.G. Dr. Dr. Jörg Wellbrink, kommissarischer Dezernatsleiter „Zukunftsanalyse“ und Spezialist im Bereich der Multiagentensystemen.

Einer der größten Diskussionspunkte war die Frage nach einem Verbot der LARs. Der Vertreter der neu gegründeten “Campaign to STOP Killer Robots“ Stephen Goose argumentierte für ein umfassendes Verbot, da es die einfachste und realistischste Möglichkeit wäre, um den Risiken der Produktion und Entwicklung autonomer Waffensysteme entgegenzuwirken. Goose betonte dabei besonders, dass es LARs nicht möglich ist (oder sein wird) komplexe menschliche Denk- und Entscheidungsprozesse (wie z.B. Empathie und Mitgefühl) durchzuführen und wies auf die damit verbunden Gefahren hin. Außerdem warnte er vor der Möglichkeit, dass Despoten LARs gegen die Zivilbevölkerung einsetzen könnten. Prof. Armin nahm hier die entgegengesetzte Position ein: Mit einer entsprechenden Programmierung könnten Roboter die Anzahl der Opfer des (eigenen) Militärs und der Zivilbevölkerung senken. Außerdem könnten Roboter grade aufgrund ihrer mangelnden Menschlichkeit, Kriegsrechtsverstöße die durch menschliche Emotionen wie Angst oder Rache ausgelöst werden, reduzieren. Arkin sprach sich in seinem 45-minütigen Vortrag gegen ein Verbot aus, da es jedwede Forschung und somit auch die positiven Möglichkeiten, die sich durch die Technologie ergeben könnten, unterbinden würde. In der Podiumsdiskussion sprach Dr. Rodin die mangelnde Realisierbarkeit von Arkins Projekt an: Ethische Normen und Internationales Völkerrecht seien viel zu komplex, als dass sie von einer Maschine angemessen umgesetzt werden könnten. Laut dem Vertreter der Bundeswehr, Dr. Wellbrink, schließt das Verteidigungsministerium den Einsatz von LARs aus.

Die Podiumsdiskussion sollte als Anstoß für eine gesamtgesellschaftlichen und politischen Debatte über die Vor- und Nachteile der Produktion und Entwicklung autonomer Tötungsroboter und über die Notwendigkeit eines internationalen Verbots angesehen werden.  

Recent Related Posts

Kommentare sind geschlossen.