Belo Monte: Profit europäischer Konzerne zerstört Natur und Lebensraum ansässiger Indigenen

Das Belo Monte Staudammprojekt in Pará, im Nordosten von Brasilien, das Anfang 2011 genehmigt wurde, ist bereits in vollem Gange. Es betrifft den Fluss Xingú sowie die angrenzenden Landflächen und Anwohner. Insgesamt ist eine Fläche von 1.500 km² direkt von den Baumaßnahmen und den Überflutungen betroffen und hätte eine Umsiedlung von bis zu 40.000 Menschen auf diesem Gebiet zur Folge. Durch den Staudamm werden 80% des Flusses im Amazonas in künstliche Bahnen verlegt. Insgesamt sollen zwei Dämme, ein künstlicher Kanal, zwei Reservoirs (eins auf dem Festland) sowie mehrere weitere riesige Deiche angelegt werden. Ist das Staudammprojekt einmal fertig gestellt, wird dieses Wasserkraftwerk die weltweit drittgrößte Kapazität haben.

Das Projekt wird ökologische und sozioökonomische Folgen für die Gemeinden entlang des Flusses Xingú verursachen, die weit über die Überflutung von Ländern und die Umsiedlung der Einwohner hinausgehen. Durch die Umleitung und Austrocknung des natürlichen Flussbettes werden die Lebensgrundlagen der Einwohner entlang des Flusses – v.a. Fischfang, Landwirtschaft und der Handel auf den lokalen Märkten, unvermeidbar beeinträchtigt. Laut BankTrack

  • werden die Fischbestände stark zurückgehen.
  • wird sich aufgrund des niedrigeren Grundwasserspiegels die Wasserqualität verschlechtern und somit die landwirtschaftliche Produktion zerstört, wodurch die Betroffenen ihre gewohnten Nahrungsmittel verlieren.
  • wird der Zugang zur nächstgelegenen Stadt Altamira und somit auch zu wirtschaftlichem Handel erschwert.
  • werden die Regenwälder in dieser Region, inklusive der einzigartigen Biodiversität, in großen Teilen absterben. Dies kann in Zukunft auch Überschwemmungen während der Regenzeit nach sich ziehen.

Die indigenen Anwohner kämpfen derzeit um ihre Lebensgrundlage, jedoch werden ihre Rechte von den profitierenden Firmen ignoriert. Europäische Konzerne verdienen an diesem umweltzerstörenden und menschenrechtsverletzenden Projekt rund 1,3 Milliarden Euro. Darunter Voith Hydro, ein Joint Venture von Voith und Siemens mit einem Auftragsvolumen von 443 Millionen Euro; Alstom, der Energie- und Transport-Konzern der es auf 500 Millionen bringt; der Anlagenbauer Andritz kassiert 330 Millionen und Daimler rund 86 Millionen Euro. Die Münchener Rück erhält 16 Millionen Euro Versicherungsprämien über einen Zeitraum von vier Jahren.

Neben Belo Monte sind von der brasilianischen Regierung bereits 150 weitere Staudämme in ganz Amazonien geplant. Nächstes Jahr sollen fünf weitere Baugenehmigungen für Wasserkraftwerke erteilt werden an denen auch wieder europäische Unternehmen beteiligt sein werden.

Warum sind große Staudämme ein Problem für die Umwelt?

Die Abdämmung von Flüssen gehört zu den größten Auswirkungen, die Menschen auf ihre Umwelt haben. Ein Damm soll einen Fluss unter Kontrolle bringen, indem er seine saisonale Veränderungen von Hoch- und Niedrigwasser reguliert. Er fängt Sedimente (Ablagerungen eines Flusses, wie z.B. Gestein) und Nährstoffe ab, verändert die Temperatur und stört geologische Prozesse, Erosion und Ablagerungen, durch die der Fluss den angrenzenden Boden formt. Solche Veränderungen können das ökologische Gleichgewicht ganzer Wassereinzugsgebiete völlig zerstören.  

Geschätzte 50.000 große Staudämme blockieren derzeit die meisten großen Flussnetze.

Welche Nachteile haben Staudammprojekte für die Bevölkerung?

Neben der unvermeidbaren Umsiedlung von Ortsansässigen sind der Verlust von Fischereien, sinkende Wasserqualität sowie –quantität die Folge. Fruchtbares Ackerland und Wälder sind ebenfalls betroffen- aufgrund des Verlustes von natürlichen Düngern und saisonalem Hochwasser, welches von natürlichen Flüssen geboten wird. In der Regel bedeutet das für die Bevölkerung mehr Armut und keine Teilhabe an entstehenden Profiten. Ihre traditionellen Lebensweisen werden gestört, Krankheiten breiten sich aus und psychischer Stress macht sich bemerkbar. Die am meisten Betroffenen sind wie so oft diejenigen, die ohnehin schon am Rande der Gesellschaft stehen.

Mehr zum Projekt gibt es bei international rivers.

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